Helden und Propheten

04.07.2021 bis 30.01.2022

Eine Ausstellung mit imposanten Bildthemen zum 150 Jahr-Jubiläum des Lenzburger Künstlers Werner Büchly (1871-1942).

Anlässlich des 150 Jahr-Jubiläums von Werner Büchly richtet das Ikonenmuseum die Scheinwerfer auf seine grossen Bildthemen aus unserer Kultur- und Nationalgeschichte. Ikonenhaft prangen Vorbilder und Vorkämpfer an Wänden und Fassaden im Grossraum Lenzburg bis Zürich. Anlässlich Büchlys 150. Geburtstag widmet ihm das Ikonenmuseum Schweiz eine Gedächtnisausstellung und huldigt erstmals diesem vergessenen Lenzburger Meister.



Zu den bedeutendsten zählen die Arbeiten am Angelrain Schulhaus in Lenzburg und am Pestalozzi-Schulhaus in Birr (1906), in den Krematorien in Aarau und Zürich, im Vindonissa-Museum in Brugg oder in der Pfarrkirche Othmarsingen. Letztere wurden genau vor 100 Jahren, also 1921, ausgeführt. Jüngst erhielt das Museum zudem drei der vier Entwürfe mit den Darstellungen der biblischen Propheten, welche die Wände der Kirche zieren. Seine Person und das Werk sind komplett aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Umso interessanter ist, dass gerade heute Vorbilder und Vorkämpfer gesucht sind – Vordenker, an denen sich das Kollektiv der Gesellschaft orientieren kann.



Reiches Oeuvre

Der in Vergessenheit geratene Werner Büchly hinterliess ein eindrückliches Werk. Büchly machte sich mit seinen herausragenden Anatomieskizzen während seiner zehnjährigen Tätigkeit an der Universität Basel einen Namen. Darauf folgten zahlreiche prestigeträchtige Aufträge. Seine Moralapostel, Glaubenskrieger und Propheten zieren Hallen und Fassaden von Schulhäusern, Sakralgebäuden und Privatvillen. Für die Gestaltung der Friese und des grossen Wandgemäldes Zürcher Landesmuseum lief ihm Ferdinand Hodler mit der «Schlacht von Marignano» den Rang ab. Für diesen Zeitgeist können die geflügelten Worte «Hort der Freiheit» und «Für das Leben lernen wir» identifiziert werden. Die Inschriften bei Werken Büchlys verraten den Grundtenor der Hymne für ein freies vorbildhaftes Leben – kurz vor dem Zusammenbruch der alten Ordnung im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.



Der sakrale Aspekt

Büchlys Werke erzählen die Geschichte von historischen Helden, Göttern und Persönlichkeiten wie etwa des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi, der Freiheitskämpfer Wilhelm Tell und Arnold Winkelried sowie des Reformators Huldrych Zwingli. Auf der anderen Seite war Büchly im sakralen Kontext tätig, was sich etwa in den Krematorien in Aarau und Zürich oder in der Kirche Othmarsingen sowie in der inzwischen abgebrochenen Abdankungshalle in Lenzburg zeigt. Aus der Welt der Sagen und Legenden begegnen uns Heroen wie Georg der Drachentöter oder Parzival auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Der Bacchantenfries (nicht erhalten) an der Weinhandlung Büchli in Lenzburg zeigt mit der mythologischen Szenerie einen kultischen Aspekt. Gerade bei diesen Themen verschwimmen Historie und Kultus und sind dabei inhaltlich wie motivisch nah bei den Ikonen aus dem religiösen Kontext.



Büchlys Darstellungen geben den grossen philosophischen Fragen der Menschheit eine Bildfläche. 
Die Inschrift «Die Weltenrätsel» am Fries der Villa Gautschi in Boniswil etwa steht in direkter Verbindung mit dem gleichnamigen Buch («Welträthsel», 1899) des deutschen Mediziners, Zeichners und Philosophen Ernst Haeckel (1834-1919). Dabei wird die philosophische, beziehungsweise metaphysische Position des «Monismus» vertreten, wobei unter anderem eine Annäherung der ethischen Grundlagen des Urchristentums an die Naturwissenschaften proklamiert wird. Der Bezug zum Künstler selbst, der sich in Basel während 10 Jahren an der Universität Basel zeichnerisch mit der menschlichen Anatomie auseinandersetzt und den Präparaten in seinem Lenzburger Atelier ist besonders aufschlussreich.


Ein Geheimnis wird gelüftet

Besonders schön ist die Auflösung der Detektivgeschichte um den Klappaltar in der Sammlung des Museum Burghalde. Dieser konnte aufgrund der Anordnung und des Aufbaus der angedeuteten Darstellung als der Entwurf für die Kirchenfenster der reformierten Kirche Lenzburg identifiziert werden. Diese gekonnte Arbeit aus den 1930er Jahren ist zum ersten Mal überhaupt in einer Ausstellung zu sehen und nimmt inhaltlich wie formal ebenfalls direkten Bezug zu den russischen Ikonen.



Pop Up-Ausstellung «Helden und Propheten» vom 04.07.2021 bis 31.01.2022. Kuration und Text: Dr. Marc Philip Seidel





Am 4.11. erscheint eine umfassende Jubiläumspublikation und versucht das Leben und Werk des wiederentdeckten Künstlers reich bebildert zu erfassen. Das Buch ist im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich.



Führungen und Gespräche im Museum und in Lenzburg laden ein Büchlys reiches Oeuvre zu entdecken, so etwa bei den Europäischen Tagen des Denkmals am 11.09. oder beim Salongespräch am 5.12. Veranstaltungsprogramm auf der Website des Museum Burghalde.